Was haben Spiele mit Klimaschutz zu tun?

Die Verbrennung fossiler Rohstoffe, die landwirtschaftliche Produktion und die Behandlung unserer Abfälle tragen zum Ausstoß von Treibhausgasen und damit zum Klimawandel und zur globalen Erwärmung bei.  Wer ein Spiel in einer eingeschweißten Spieleschachtel kauft, kauft damit in der Regel auch einen Anteil an Treibhausgasemissionen ein. Das beginnt bei der häufig auf Erdölbasis erzeugten klaren Folie, geht weiter mit den unter Energieeinsatz erzeugten Pappe und Papierprodukten für Spielbrett, -karten und -anleitung und hört beim Transport der Bestandteile des Spiels zum*zur Produzent*in nicht auf. Eine komplette Lieferkette nachzuvollziehen, ist in der Regel aufwändig. Manche Produzent*innen bieten dies dem Spieleverlag gegen Aufpreis an, andere verstehen die Frage nicht.

Doch nur wer weiß, welche Rohstoffe und welche (fossile) Energie für die Spieleproduktion aufgewendet wurden, kann zumindest näherungsweise versuchen zu ermitteln, welche Treibhausgasemissionen die Herstellung eines Spiels verursacht hat. Und nur wer das weiß, kann die nicht vermeidbaren Emissionen kompensieren, indem er*sie Geld zahlt für Klimaschutzprojekte.

Weitere Infos und Auskünfte zum Klimaschutz insgesamt gibt es z.B. bei Klimafakten, Infos zum Kompensation finden sich beim Umweltbundesamt.

Warum engagiert sich BeWitched-Spiele für Klimaschutz?

Um das Übereinkommen von Paris der Vereinten Nationen einzuhalten, müssen alle Unterzeichner*innen bis zur zweiten Hälfte des Jahrhunderts treibhausgasneutral werden, Industrieländer sogar noch deutlich früher. Deutschland hat das langfristige Ziel der Treibhausgasneutralität bis 2050 im Bundes-Klimaschutzgesetz festgelegt.

Das bedeutet, dass möglichst alle Produktionsprozesse ohne Treibhausgasausstoß funktionieren. Die Energieumwandlung muss sogar deutlich früher komplett unabhängig von fossilen Brennstoffen wie Kohle, Gas und Öl werden. Dafür ist zum einen die EInsparung von Energie notwendig - durch Steigerung der Energieeffizienz. Zum anderen müssen wir die Nutzung erneuerbarer Energien deutlich ausbauen. Dazu kommt: Wenn wir unsere energieintensiven Industrieprozesse mit erneuerbarer Energie betreiben wollen, brauchen wir deutlich mehr erneuerbaren Strom als heute.

Das bedeutet auch, dass die Spieleproduktion "dekarbonisiert" und energieeffizienter werden muss. Das wird nicht einfach so geschehen, sondern nur durch entsprechende Nachfrage der Kund*innen wie - dem zugegeben kleinen Verlag - BeWitched-Spiele. Trotzdem können wir mit der treibhausgasneutralen Produktion - und natürlich dem Kauf und dem Spielen von Hossa ;-) - gemeinsam ein Zeichen setzen. Und natürlich hoffe ich, dass andere und vor allem größere Verlage diesem Beispiel folgen.

Treibhausgasneutrale Produktion von Hossa

Die neue Auflage von Hossa ist soweit wie möglich treibhausgasneutral produziert worden.

Das bedeutet, dass ich den Produzenten LudoFact und den Grafiker Christof Tisch um Informationen gebeten habe, welchen Strom sie einsetzen und welche Papierprodukte, Farben, Lacke sowie Plastikfolie in welchen Mengen verwendet werden. Die fertigen Spiele werden von der Produktions- in die benachbarte Lagerhalle von LudoPackt mit strombetriebenen Gabelstaplern transportiert, die mit erneuerbarem Strom fahren.

Nicht mit einbezogen habe ich die Vorkette der Produktion der Farben und Papiere sowie sonstige Einsatzstoffe wie Maschinenöl usw.

Auch nicht einbezogen ist der Transport von LudoPackt zu den Läden und den Kund*innen sowie die Entsorgung der Spiele, falls jemand das gekaufte Spiel wegwirft.

Die Werte für den CO2-Ausstoß aus der Produktion der einzelnen Bestandteile musste ich schätzen bzw. ableiten, weil auch LudoFact bisher den CO2-Fußabdruck seiner Produkt(bestandteile) nicht kennt. Da aber offensichtlich mehr und mehr Kund*innen treibhausgasneutrale Produkte anfragen, bin ich sicher, dass sich das in absehbarer Zeit ändern wird.

Strom

Sowohl Ludofact als auch Christof Tisch beziehen zu 100% erneuerbaren Strom. Ich selbst beziehe erneuerbaren Strom von EWS, so dass für den Strom insgesamt keine fossilen Rohstoffe eingesetzt und also bei der Stromnutzung auch keine Treibhausgase ausgestoßen werden.

In der Regel macht die Nutzung fossilen Stroms den größten Anteil des Treibhausgasausstoßes aus.

Papier

Der Löwenanteil der Treibhausgasemissionen bei der Produktion von Hossa stammt - weil alle Beteiligten zu 100% erneuerbaren Strom nutzen - aus der Verwendung verschiedener Papierprodukte.

Soweit möglich, wurde Recyclingmaterial eingesetzt - für die Spieleschachtel und den Umkarton. Das Material für den Schachteleinsatz ist Recycling-Karton, der mit Frischfaserpapier bezogen und bereits lackiert ist. Frischfaserpapier bzw. - Material wurde für die Spielanleitung, und den Bezug der Schachtel verwendet. Die Spielkarten bestehen vollständig aus Frischfaserpapier bzw. -material - d.h. das Material wurde aus frischen Holzfasern hergestellt. Ein Grund dafür ist, dass Recyclingpapier den Produkten eine ungleiche Maserung verleiht, die Karten wären also gezinkt. Das ist zwar für Hossa egal, weil sowieso Vorder- und Rückseite genutzt werden. Ludofact bietet aber gar keine Karten aus Recyclingpapier an.

Ludofact bietet die Möglichkeit an, nach dem Forest Stewardship Council (FSC) zertifiziertes Frischfaserpapier bzw. -material zu beziehen.  Für die Frage des Treibhausgasausstoßes bzw. des Erhalts von CO2-Senken sind von den FSC-Prinzipien vor allem jene relevant, die regeln, dass der Forstbetrieb die Ökosystemdienstleistungen und die Umweltgüter des Waldes erhält oder diese wieder herstellt. Dies ist beim für Hossa eingesetzten Frischfaserpapier nicht der Fall, so dass ich für die Kompensation einen entsprechend höheren Wert ansetzen muss. 

Farben und Lack

Für die Produktion von Hossa sind 250 kg Druckfarbe und 63 kg Lack eingesetzt worden.  Die Fachgruppe Druckfarben im Verband der deutschen Lack und Druckfarbenindustrie vertritt die Ansicht, dass der CO2-Fußabdruck von Druckfarben 1-3% der Emissionen des gesamten Produkts ausmacht. Entsprechend habe ich auf Basis der ermittelten Emissionen aus der Papier- und Folienproduktion, die ich mit 97% gleichgesetzt habe, Treibhausgasemissionen der Druckfarben und des Lacks in Höhe von 21g je Spiel ermittelt.

Folie

Die einzelnen Spiele wurden nach dem Druck mit Folie auf Erdölbasis foliert, damit der*die Kund*in sicher sein kann, ein neues Produkt zu kaufen. Zudem wurde die beiden Spielkartenpacks foliert. Bei der Folienproduktion werden neben CO2 vermutlich auch weitere Treibhausgase ausgestoßen, die aber in CO2-Äquivalente (kurz: CO2Äq) umgerechnet werden,

Da ich keine vergleichbaren Angaben für die spezifische, hier verwendete Polyolefin-Folie gefunden habe, habe ich mir mit Angaben zu 12µ dicker Schrumpffolie für Äpfel geholfen, für deren Produktion je kg Folie 6,5 kg CO2Äq emittiert werden. Da die für mein Spiel verwendete Folie um den Faktor 1,36 dicker ist, habe ich auf die Emissionen je kg 36% aufgeschlagen. Entsprechend habe ich bei 5,25 kg eingesetzter Folie noch einmal rund 46 kg CO2Äq-Emissionen zu verbuchen.

Es gibt inzwischen kompostierbare Folie auf pflanzlicher Basis, die diesen Zweck auch erfüllen könnte, allerdings wird sie wohl den Ansprüche vieler Spieleverlage nicht gerecht, weil sie offenbar nicht zu 100% transparent ist. Ich könnte mir auch gut vorstellen, diese oder sogar gar keine Folie zu verwenden, war aber unsicher, was der*die Kund*in davon hält.

 

Kompensation

Die Werte für den CO2Äq-Ausstoß bei der Produktion der verschiedenen Materialien sind geschätzt. Für die Spielkarten (*) habe ich mangels auffindbarer Vergleichswerte angenommen, dass je kg Material 3 kg CO2 ausgestoßen werden.

  Angaben pro Spiel      
Gewicht Material für CO2-Äq  
61g Recyclingkarton Schachtel, Umkarton 125g  
21g 500g Chromoduplex GD 2 Schachteleinsatz 27g  
165g Casino Classic 300g Spielkartenkarton Spielkarten 495g *
29g 100g Frischfaserpapier Schachtelbezug, Spielanleitung 39g  
1g Ultimate 19 Folie, 15µ dick Umverpackung, Folie für die Spielkarten 9g  
60g Farben + Lack Karten, Anleitung, Schachtel 21g  
         
    GESAMT 716  

 

 

Insgesamt komme ich so auf rund 3750 kg CO2, die bei der Produktion von 5.250 Exemplaren von Hossa emittiert wurden.

Um etwaige Schätzfehler auszugleichen, habe ich bei atmosfair vier Tonnen CO2-Ausstoß zum Preis von 92,- € kompensiert und pro kg CO2 etwa 2,3 ct bezahlt für Klimaprojekte - das entspricht etwa dem aktuellen Preis der CO2-Emissionszertifikate im EU-Emissionshandel im November 2020. Die Kosten für die Kompensation der Treibhausgasemissionen bei der Produktion liegen damit pro Exemplar von Hossa bei etwa 1,7 ct.

Treibhausgasneutralität:

Besser wäre natürlich, die Treibhausgase bei der Produktion komplett zu vermeiden. Ich hoffe, dass sich mir andere Spieleverlage anschließen und die Produzent*innen von Spielen auffordern, Treibhausgasneutralität auch für ihre Unternehmen anzustreben.